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Erben und Geldanlegen - ein schwieriges Thema

Erbschaft und Geldanlage: 5 wichtige Schritte für ein schwieriges Finanzthema

Eine Erbschaft wird allgemein als warmer Regen erachtet und die dann erforderliche Geldanlage als Glücksfall. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge werden in den nächsten Jahren rund 2,1 Billionen Euro an die nächste Generation vererbt. Die Deutschen sind reich, zumindest einige von Ihnen. Denn genau wie beim Vermögen konzentriert sich die Erbmasse zu einem Drittel auf die oberen zwei Prozent der reichsten Erben. Im Durchschnitt werden laut DIA Studie je Erbfall 363.00 Euro vererbt. Im Einzelfall jedoch ist die Spannbreit groß. Manchmal besteht das Erbe sogar aus Schulden.

Doch auch wenn dies nicht zutrifft, ist eine Erbschaft in den seltensten Fällen nur ein warmer Geldregen. In aller Regel ist der schmerzliche Verlust eines geliebten Menschen damit verbunden. Selbst wenn es nur der bisher unbekannte Erbonkel aus Amerika war, kann der plötzlich Geldsegen zu einer gefühlt massiven Überforderung führen. Leider gibt es dann auch noch Menschen, die so etwas ausnutzen. Genau wie Lotto-Millionäre oftmals Ihr plötzliches Vermögen nicht dauerhaft erhalten können, trifft dies auch bei Erben häufig zu.

Die 3 größten Hürden bei der Geldanlage nach einer Erbschaft

Deshalb gehört die Geldanlage und Vermögenssicherung nach einer Erbschaft zu den schwierigsten Finanzthemen überhaupt. Zumindest aus meiner Erfahrung. Gerade wenn die Erben von den Erblassen nicht darauf vorbereitet wurden. Es kommt nämlich häufig auch noch erschwerend hinzu, dass viele Frauen sich in diesem Moment zum ersten Mal in ihrem Leben mit dem Thema Geldanlage befassen müssen. Keine wirklich guten Voraussetzungen, um kluge Finanzentscheidungen treffen.

Dies sind aus meiner Sicht die drei größten Hürden bei der Geldanlage nach einer Erbschaft:

1. Hürde: negative Emotionen

Bei Finanzentscheidungen sind grundsätzlich immer die Gefühle mit im Boot. Sie treffen sozusagen die Vorauswahl dessen, was dann im Neocortex Ihres Gehirns zur Abstimmung und Entscheidung gelangt. (link zum Blog Finanzentscheidungen.) Gerade dann, wenn das Thema Geld nun mit dem Verlust eines geliebten Menschen, mit Schmerz und Trauer in Verbindung steht, werden diese Gefühle allzu leicht auf das Geld oder die Erbschaft projiziert.

Denn viel lieber würden Sie sich wahrscheinlich ja den Menschen zurück wünschen und das Geld gerne wieder eintauschen. Die Auseinandersetzung mit der Geldanlage kann dann regelrecht zur Qual werden und im wahrsten Sinne des Wortes unter einem unglücklichen Stern stehen.

In solchen schwierigen Phasen wird die Auseinandersetzung und die Verantwortung für das Erbe dann häufig an andere delegiert: den Banker, den Finanzberater oder an Freunde oder Verwandte. Ohne es zu ahnen, gehen vielen Erben dann große Risiken ein und treffen möglicherweise Fehlentscheidungen. Deshalb ist es ganz wichtig in einer solchen Phasen, erst wieder Zugang zur eigenen Entscheidungskompetenz zu finden. Lassen Sie sich nicht zu einer Entscheidung drängen, wenn Sie in einer solchen Phase stecken.

2. Hürde: Projektionen auf das Erbe

Wenn die Beziehung zum Erblasser schwierig oder sogar äußerst problematisch war, wird wahrscheinlich auch die Beziehung zum Erbe schwierig sein. Negative Gefühle werden dann auf die Hinterlassenschaft projiziert. Geld ist wahrscheinlich die größte Projektionsfläche der Welt. Das gilt auch und besonders für geerbtes Geld.

Solche schwierigen Fälle hatte ich in meiner 25jährigen Beratungspraxis schon einige Male. Meine Kundin Sybille beispielsweise hatte nach dem Tod ihres Vaters ihren Erbteil von der Mutter ausgezahlt bekommen. Eigentlich wollte Sybille sich gar nicht mit dem Geld beschäftigen. Der Grund: Ihr Vorwurf gegen die Mutter. Sybille hatte sich als Kind sehr vernachlässigt gefühlt, weil ihre Mutter berufstätig war.

Sybille bezeichnete sich als Schlüsselkind, weil ihre Mutter unbedingt Geld verdienen wollte. Deshalb wollte sie mit dem Geld gar nichts zu tun haben. Sie dachte sogar darüber nach, die 20.000 Euro zu spenden, um sie schnell wieder loszuwerden. Aber das konnte sie dann auch wieder nicht über das Herz bringen. Denn es war ja das Erbe ihres Vaters, der hart dafür gearbeitet hatte. Sie vermisste ihn sehr. Der Verlust schmerzte sie stark.

Erst nachdem Sybille im Finanzcoaching die Beziehung zu ihrem Erbe und in einer Therapie die Beziehung zur Mutter aufgearbeitet hatte, konnte sie Frieden schließen: mit ihrer Mutter und auch mit dem geerbten Geld. Dann war sie in der Lage, für sich selbst gute Finanzentscheidungen zu treffen.

3. Hürde: Das Überraschungs-Trauma

Manche Menschen reagieren auf einen unverhofften großen Geldsegen geradezu geschockt. Sie stehen plötzlichen vor der großen Herausforderung, ein Vermögen vernünftig und nachhaltig zu investieren. Gerade Frauen denken dabei fast immer an ihre eigenen Nachkommen. Deshalb stehen Sicherheit und Vermögenserhalt an oberster Stelle.

Die plötzliche Verantwortung, die Herausforderungen der Geldanlage und der notwendigen Finanzentscheidungen können dabei geradezu erdrückend wirken.

Dazu kommen häufig Abgrenzungsnöte gegenüber Bittstellern und Bedürftigen. Vor allem, wenn diese Bedürftigen dann auch noch die eigenen Kinder sind. Das alles kann eine große Überforderung bedeuten. Nicht wenige Erben oder Lotto-Gewinner konnten ihr Vermögen deshalb nicht dauerhaft erhalten.

In den 25 Jahren meiner Tätigkeit habe ich oft erlebt wie gerade bei den alleinerziehenden Müttern die Erbschaften dahin geschmolzen. Oftmals war für die eigene Altersvorsorge nicht mehr viel übrig, wenn das Kind oder die Kinder dann endlich erwachsen waren.

5 wichtige Schritte für Ihre Erbschaft und Ihren Seelenfrieden

Damit Sie einen guten Weg beschreiten können, um die richtigen Geldanlage-Entscheidungen zu treffen und gut für sich zu sorgen, trotz der schwierigen Zeiten, haben sich in meiner Praxis die folgen fünf Schritte bewährt:

1. Reflektieren Sie Ihre persönlichen Werte

Ich habe in meiner langjährigen Beratungspraxis schon erlebt, dass bei Erbschaften plötzlich die Werte des Erblassers übernommen wurden. Obwohl die Erbin bisher ganz andere Werte verfolgte. Bei meiner Kundin Dorothea war dies der Fall. Im Gegensatz zu ihrem Vater, investierte Dorothea schon seit Mitte der 90er Jahre ausschließlich in nachhaltige Geldanlagen. Sie war sehr konsequent und auch sehr erfolgreich damit. Im Gegensatz zu anderen Anlegerinnen, die auf der Suche nach den besten Investitionen und den geringsten Kosten bei der Anlage, ständig umschichteten: Dorothea blieb konsequent.

Wenn Papas Bankberater und Anlagestrategie gleich mitgeerbt werden

Das änderte sich schlagartig als Dorotheas Vater verstarb. Nicht bei ihren eigenen nachhaltig investierten Ersparnissen, sondern bei dem vom Vater geerbten Vermögen. Denn mit dem Vermögen erbte Dorothea auch den Bankberater des Vaters, dessen Ansichten, Strategien und vor allem dessen Risikobereitschaft. Anfangs wehrte sie sich noch gegen dessen Empfehlungen, aber auch ihre Mutter unterstellt dem Mann deutlich mehr Kompetenz als ihrer Tochter Dorothea. So fügte sie sich dann.

Erst als Dorothea mich später bat, einen Blick auf die Vermögensverteilung zu werfen und wir ein Finanzcoaching vereinbarten, wurde ihr der eigene Sinneswandel bewusst. Sie hatte ganz massiv gegen ihre Werte und auch gegen ihre eigene Risikobereitschaft entschieden und auch gehandelt. Im Finanzcoaching konnte Dorothea dann Entscheidungen und Handlungsstrategien entwickeln, die wieder mit ihren eigenen Werten übereinstimmten. Dorothea hatte nun wieder selbst das Ruder in der Hand. Sie konnte sogar ihre Mutter überzeugen und war sehr glücklich darüber.

2. Schritt: Die Erbmasse von emotionalen Altlasten und inneren Geldsaboteuren befreien

Solche Übertragungen wie in Dorotheas Fall sind wahrscheinlich gar nicht so selten. Da wird dann der Bankberater gleich mitgeerbt. Weil er doch immer so nett war und die Familie scheinbar stets gut betreute. Oder bestimmte Anlageformen werden einfach beibehalten, obwohl diese gar nicht zu den Werten und Zielen der Erben passen. Einfach, weil Familientraditionen aufrecht erhalten werden oder weil der Erblasser und Familienvater bereits den Weg vorgegeben hatte.

Heimliche Verträge und Macht über den Tod hinaus

Es ist manchmal faszinierend und schockierend zugleich, wie die Verstorbenen mit ihren Hinterlassenschaften noch über den Tod hinaus Macht und Einfluss geltend machen. Gerade wenn Firmen, Immobilien oder landwirtschaftliche Höfe vererbt werden: Häufig schlummern emotionale Altlasten darunter.
Dann ist es sehr wichtig, sich erst einmal von diesen Altlasten, Projektionen und negativen Gefühlen zu befreien. All das sind innere Geldsaboteure, die Ihre Finanz-Intuition blockieren. Die negativen Gefühle aktivieren Ihren Sympathikus, den Anspannungs-Stress-Nerv. Der versetzt sie in Anspannung, beschleunigt Ihren Herzschlag und Ihre Atmung und stellt dann Ihren ganzen Körper auf eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion ein. Im Kampf- oder Flucht-Modus ist nahezu unmöglich wirklich gute Finanzentscheidungen zu treffen.

Die Erbmasse von Projektionen befreien

Befreien Sie deshalb die Erbmasse von allen negativen und positiven Projektionen und kommen sie schnellstmöglich wieder in einen entspannten Modus. Das hört sich leichter an, als es ist. Ich weiß. Gerade beim Thema Vermögen und Erbschaft hat Jede so ihre eigenen Vorstellungen und Projektionen. Nicht nur die beste Freundin oder der Ehepartner. Auch viele Therapeuten haben in Finanzangelegenheit eigene Projektionen. Bei vielen von ihnen ist Geld sogar ein Tabu-Thema. Auch die vermeintliche Experten und Verbraucherschützer haben oftmals sehr besondere Projektionen und leider häufig nur wenig Einfühlungsvermögen und Verständnis.

Professionelle Unterstützung bei der emotionalen Altlasten-Bewältigung

Deshalb ist professionelle Unterstützung in Sachen Geld-Beziehung nicht so ganz einfach zu finden. Nur wer sich in seiner eigenen Ausbildung als Coach auch mit den eigenen Geld-Projektionen und dem eigenen Money-Mindset auseinander gesetzt hat, kann die nötige Objektivität aufbringen. Natürlich braucht es auch Verständnis und Offenheit für die Geldbeziehung einer Kundin oder eines Kunden.

Gerade jetzt ist Empathie für Finanzentscheidungen wichtiger denn je. Auch diese Fähigkeit müssen die meistens Menschen erst wieder erlernen, denn wir sind gewohnt, schnelle Urteile zu fällen. Statt empathisch zuzuhören, neigen wir dazu, anderen vermeintlich gute Ratschläge, um die Ohren zu hauen. Sogar die beste Freundin und manchmal auch die Therapeutin.

Genau diese wichtigen Skills oder Fähigkeiten lernen FCM Finanz Coaches in ihrer Ausbildung. Damit sie das auch ja nicht wieder verlernen, dürfen sie sich immer wieder überprüfen und rezertifizieren lassen.

Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht aller FCM Finanz Coaches ® :

3. Schritt: Ziele erarbeiten

Nutzen Sie das Finanzcoaching auch dafür, Ihre eigenen Ziele zu reflektieren. Nicht selten habe ich erlebt, dass Kundinnen nach einer Erbschaft Investitionen getätigt haben, die dann später bereut wurden. Schlimmstenfalls kann dies zu Schuldgefühlen führen. Beispielsweise, wenn dann das Geld für die Ausbildung der eigenen Kinder, die eigene Rente oder für andere wichtige Zwecke später fehlt. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Ziele zu definieren und auch gleichzeitig zu hinterfragen.

Persönliche Ziele dienen auch dazu, die eigene Strategie zu überprüfen. Gerade jetzt in der Nullzinsphase, wo nun auch noch Strafzinsen drohen.

4. Lassen Sie eine unabhängige Altersvorsorge- und Finanzplanung erstellen

Die Finanzplanung ist die Übersetzung Ihrer Lebensplanung in Zahlen, Zeiten und die heimische Währung. Grundlage dafür sind Ihre Ziele und Werte. Ein Ziel ist gesetzt: Die Altersvorsorge oder angenehmer formuliert der Ruhestand. Die Altersvorsorge- oder Ruhestandsplanung, ist grundsätzlich ein Thema, mit dem sich alle Menschen auseinander setzen sollten. Vor allem aber im Zusammenhang mit einer Erbschaft.

Man verschätzt sich leicht im Hinblick auf den Bedarf im Ruhestand. Die scheinbar große Erbschaft reicht dann später plötzlich hinten und vorne nicht. Ohne die Zahlen und den Bedarf im Ruhestand zu kennen, fehlt Ihnen der Überblick. Das kann später schlimme Folgen haben, wenn ihre Ruhestandsvorsorge nicht ausreicht.

Vor allem die Steuern und die Krankenversicherungsbeiträge, die noch von der Rente abgehen, werden in der Erwerbsphase leicht unterschätzt. Da rechnen die meisten Menschen nur mit dem Netto-Einkommen. Aber die Rente ist ein Brutto-Einkommen. Besonders unterschätzt jedoch wird die Inflation. Auch wenn sie gerade angeblich negativ ist, bedingt durch Corona. Selbst die bescheidenen 2 % Inflation der vergangenen Jahr schmälern Ihre Einkünfte im Ruhestand deutlich. Wie ich im Blog ja schon berechnet und berichtet hatte (link Finanzprokrastination).

5. Die eigene finanzielle Risikobereitschaft kennen

Es ist schwierig, die eigene Risikobereitschaft richtig einzuschätzen, vor allem wenn es bisher noch wenig Erfahrung in Geldanlagen gibt. Die Überforderung einerseits und die belastenden Emotionen nach dem Verlust eines Menschen andererseits, können eine klare Selbsteinschätzung noch zusätzlich erschweren. Ein zuverlässiges Testverfahren ist sowohl für die Kundin als auch für die Beraterin ein äußerst hilfreiches Werkzeug. Ein Risikotoleranztest ist kein Persönlichkeitstest und gibt auch keinerlei Rückschlüsse auf Ihren Charakter. Er ist einfach nur ein große Unterstützung, um herauszufinden wie viel Schwankungen oder vorübergehende Wertminderungen Sie emotional aushalten können.

Mit diesen fünf Schritten und Instrumenten sind Sie dann gut vorbereitet, um auch in schwierigen Phase gute Finanzentscheidungen treffen zu können.

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