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Frau mit leerem Portemonnaie durch Fehler bei der Finanzplanung in den 30ern

7 Fehler bei der Finanzplanung in den 30ern

Fehler bei der Finanzplanung in den 30ern können lebensentscheidend sein. Jedenfalls finanziell. In dieser Lebensphase stellen Frauen  entscheidende Weichen für die Zukunft. Bei den einen sind nach Ausbildungs- oder Studienende endlich die langen Jahre des Konsumverzichts vorbei.  Bei den anderen geht es bereits um Karriereschritte. Je nachdem wie schnell und ehrgeizig Sie vielleicht in Ihrer Ausbildung oder Ihrem Studium waren: Jetzt stehen wichtige Entscheidungen an. Neben Karrierefragen beschäftigt die Frauen in den 30ern nämlich auch die Frage der Familienplanung. 2018 waren 48 % der erstgebärenden Mütter zwischen 30 und 39 Jahre alt. Das Durchschnittsalter beim ersten Kind liegt inzwischen bei 30. Ein Fünftel aller Frauen bleibt inzwischen sogar kinderlos.

Dementsprechend ist gerade diese Phase so wichtig für Altersvorsorge und Vermögensaufbau. Wenn die Kinder kommen, werden Zeit und Geld wieder knapper. Jetzt heißt es, die Gunst der Stunde zu nutzen. Das gilt vor allem für die Karriereplanung. Machen Sie als Frau in den 30ern Fehler bei der Finanzplanung, kann Sie das später teuer zu stehen kommen. Bis hin zur Altersarmut.

Genau diese 7 typischen Fehler sollten Sie als Frau in den 30ern deshalb unbedingt vermeiden:

1. Kein Fokus auf Einkommen und Karriere

Frau mit leerem Portemonnaie dahinter verpasste ZieleGeben Sie Gas bei Karriere und Einkommen. Wenn die Familienphase erst beginnt, wird es deutlich schwieriger mit der Karriere. Die Flexibilität im Hinblick auf Überstunden und Reisetätigkeit ist mit Kind nicht mehr gegeben. Berufstätige Mütter sind in Deutschland leider immer noch einigen Chefs ein Dorn im Auge.

Jede vor der Familienphase erreichte Gehaltsstufe kann der Arbeitgeber Ihnen nicht so einfach wieder wegnehmen. In der Teilzeitphase wird es schwieriger mit Gehaltserhöhungen. Viele Teilzeitbeschäftigte haben ein chronisch schlechtes Gewissen, weil sie später kommen oder früher gehen. Dabei leisten sie oft vielmehr als ihre Vollzeit beschäftigten Kolleginnen.

Mein Tipp: Züchten Sie sich beizeiten ein dickes Fell, damit Sie beruflich und finanziell Ihre Ziele im Blick behalten – mit und ohne Kinder. 😉

2. Fehlende Netzwerke

Frauenhände greifen ineinander als Symbol für NetzwerkeEin weiterer wichtiger Aspekt sind Netzwerke. Deren Bedeutung ist in jungen Jahren oftmals noch nicht so offensichtlich. Als Studentin  hatten Sie noch keine Berührungspunkte mit der gläsernen Decke. Der Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt? Nur graue Theorie. Das ändert sich schlagartig mit dem Eintritt ins Berufsleben. Dann gewinnen berufliche Netzwerke plötzlich an Bedeutung.

Vor allem in der Familienphase sind berufliche Netzwerke Gold wert: um am Ball zu bleiben, sich auszutauschen und leichter wieder rein zu kommen. Ich selbst bin seit vielen Jahren Mitglied im BPW Business and Professional Women Germany, einem internationalen Business-Netzwerk für Frauen. Ich habe dieses Netzwerk wirklich schätzen gelernt. Sie können in einem Netzwerk wie dem BPW wichtige Informationen und Karrieretipps erhalten. Sie finden außerdem einen geschützten Rahmen, in dem Sie auch mal über berufliche Probleme sprechen können.

Mein Tipp:

Suchen oder gründen Sie berufliche Netzwerke und nutzen Sie die Chancen. 😉

3. Keine Berufliche Planung für die Familienphase

Frau ohne berufliche Planung mit gekreuzten KochlöffelnDie berufliche Planung für die Familienphase ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Ohne schriftliche Vereinbarungen mit Ihrem Arbeitgeber, geraten Sie in der Familienphase leicht auf das Abstellgleis.

Selbst die Aufstockung der Arbeitszeit oder die Rückkehr zur Vollzeittätigkeit kann irgendwann zu einem unlösbaren Problem werden. Ich kenne einige Frauen, die seit vielen Jahren in der Teilzeitfalle stecken. Deren Arbeitgeber stellen liebe junge Mitarbeiterinnen in Vollzeit ein. Die kosten weniger, weil Sie noch nicht so viele Berufsjahre absolviert haben. Eine tüchtige Teilzeitkraft lässt der Arbeitgeber gerne in der Teilzeitfalle schmoren. ☹

Meine Empfehlung:

Loten Sie alle wichtigen Aspekte im Vorfeld aus. Natürlich schriftlich und mit Vertrag. Fragen wie:

  • Wie sieht es mit Homeoffice aus?
  • Oder mit Jobsharing als Führungskraft?
  • Was ist mit dem Wiedereinstieg nach der Erziehungszeit?
  • Wie weit ist die Entfernung und wie lang ist Ihre Fahrtzeit zum Arbeitsplatz?
  • Welche Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen gibt es vorher und können Sie die Positionen dann in Teilzeit weiterführen?

Wenn Sie vorher schon merken, dass es hinten und vorne nicht passt, schauen Sie sich lieber noch einmal nach einem neuen Arbeitgeber um. Das ist sinnvoller, als fluchtartig ins Familienleben zu stürzen. Dann ist emotional wahrscheinlich der Rückweg versperrt.

Neue Chancen:

Anders als viele Generationen von Frauen vor Ihnen, haben Sie heute die Möglichkeiten dazu. Durch den Arbeits- und Fachkräftemangel sind Vorgesetzte und Unternehmen wesentlich kompromissbereiter als früher. Sie können sich deutlich mehr Selbstbewusstsein genehmigen. Gönnen Sie sich das und nutzen Sie die Chance. 😉

Wenn alle Stricke reißen, überlegen Sie sich rechtzeitig einen Plan B. Das kann der Fall sein, wenn Sie Ihre bisherige Tätigkeit mit Kindern nicht mehr ausüben können. Beispielsweise, weil Sie vorher eine Reisetätigkeit hatten oder im Schichtdienst gearbeitet haben. Dann ist es gut, vorbereitet zu sein, um sich vielleicht eine Selbstständigkeit aufzubauen.

4. Kein Ehe- oder Partnerschaftsvertrag

Kein Ehevertrag, typischer Fehler in den 30ern - getrenntes Paar mit zerrissenem HerzVereinbarungen und Verträge in der Partnerschaft sind heutzutage unverzichtbar. Sonst ist das Risiko groß, dass Sie irgendwann in der Armutsfalle landen. Gerade dieses Risiko wird oft völlig ausgeblendet. Dabei ist es viel größer als zwischenzeitlich mal zehn Prozent Minus im Aktienfonds.

Zumindest, wenn Sie Kinder und Teilzeitjob planen, vereinbaren Sie klare Regeln. Und zwar schriftlich. Dazu gehören Punkte wie:

  • Klare und eindeutige Planung und Vereinbarung mit dem Partner, wer wann die Kinder betreut oder stattdessen einen Ausgleich erhält,
  • Klare Vereinbarungen für den Trennungsfall, vor allem bei Selbstständigkeit,
  • Regelungen zur Altersvorsorge über die Ehe oder Beziehung hinaus, wenn eine/r beruflich auf die Karriere verzichtet hat,
  • Unterhaltsregelungen für den Zeitraum solange die Kinder schulpflichtig sind,
  • Schriftlicher Ehe- oder Partnerschaftsvertrag.

5. Supergau: Fehlende Absicherung gegen existenzielle Risiken

Haftpflichtversicherung

Versicherungen sind ein unbeliebtes Thema. Doch einige Versicherungen brauchen wir alle. Dazu gehört in jedem Fall eine Privathaftpflichtversicherung. Das ergibt sich aus dem Paragrafen 823 im Bürgerlichen Gesetzbuch. In diesem Paragrafen des BGB ist die gesetzliche Schadenersatzpflicht geregelt.

Absicherung der Arbeitskraft

Frau im Rollstuhl mit fehlender AbsicherungVor allem die Absicherung Ihrer Arbeitskraft ist in jungen Jahren von existenzieller Bedeutung. Ihre Arbeitskraft ist Ihr größtes und wahrscheinlich einziges Vermögen. Es sei denn, Sie sind dank glücklicher Umstände bereits Millionärin. Andernfalls müssen Sie Ihr Arbeitskraft-Vermögen erst noch umwandeln in ein Millionen-Vermögen. 😉

Berufsunfähigkeitsversicherung

Zur Finanzplanung in den 30ern gehört in jedem Fall der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Die BU ist nach der Privathaftpflicht die wichtigste Versicherung. Darüber sind sich sogar die Verbraucherschützer einig. Achten Sie unbedingt darauf, dass Ihre BU Versicherung eine Teilzeitklausel und eine Arbeitsunfähigkeitsklausel enthält.

BU Nachversicherungsoption vergessen

Dann sollten sie unbedingt prüfen, ob diese auch eine Nachversicherungsgarantie beinhaltet und keinesfalls die Frist versäumt. Auch diesen Fehler erlebe ich in Praxis leider immer wieder.

6. In die Konsumfalle geraten

Die 30er sind häufig geprägt von den Entbehrungen der Studienzeit und der Ausbildungsphase. Daran kann sich wahrscheinlich jede von uns noch gut erinnern. Endlich der erste Job und zum ersten Mal richtig Geld auf dem Konto. Kein Wunder, wenn dann ein großer Konsumnachholbedarf besteht. Je nachdem wie lange die Studienzeit zurückliegt und wie entbehrungsreich sie war. 😉

Frau mit Geldscheinbündel und Palmeninsel in GedankenDas Problem ist nur, dass Sie sich sehr schnell an den gehobenen Lebensstandard gewöhnen können. Wenn das Einkommen im Geist erst einmal verkonsumiert ist, wird es schwierig, die Ansprüche wieder zurückzuschrauben. Oft bleibt dann zum Sparen und für die Altersvorsorge nicht mehr viel übrig.

Zu den Konsumfallen gehören vor allem Eigenheime und die lieben Kleinen.

Konsumfalle Eigenheim

Das eigene Haus wird oft liebevoll ausgestattet. Jede neue Gardine wird als langfristige Vermögensanlage betrachtet. Ist sie aber nicht.

Eine selbstgenutzte Immobilie ist keine Vermögensanlage.

Sie ist ein langlebiges Konsumgut oder sogar eine langlebige Konsumfalle. 😉

Sie können Ihr Eigenheim im Ruhestand nicht anknabbern. Selbst beim Verkauf bekommen Sie das investierte Geld nicht zurück. Darüber führt bloß niemand Buch. Die Wahrnehmung ist deshalb anders als die Fakten es sind. Meist wird nur auf den Kaufpreis geschielt und der Rest vernachlässigt. Aus diesen Gründen sollten Sie Ihr Eigenheim bei Ihrer Ruhestandsbilanz außen vor lassen. Bei Ihrer Finanzplanung hat die Altersvorsorge absolute Priorität. Das Eigenheim kommt erst danach. 😉

Konsumfalle Kinder

Kinder kosten Geld. Daran gibt es keinen Zweifel. Der häufig verwendet Satz: Jedes Kind kostet ein Eigenheim, hat sicherlich seine Berechtigung.  Beides – Eigenheim und Kinder – schaffen nur wenige. Vor allem nicht mit einem Einkommen. Die Zeiten sind vorbei. Die meisten Familien sind auf beide Einkommen angewiesen und brauchen trotzdem noch eine Menge Disziplin beim Vermögensaufbau.

Doch gerade solange die Kinder klein sind, werden die Konsumausgaben oft ein bisschen übertreiben. Schade eigentlich. Ein Baby merkt wenig davon. Babys legen keinen Wert auf Markenkleidung. Den Babys ist es sogar egal, in welchem Kinderwagen oder Auto sie spazieren gefahren werden. Das interessiert meist nur die Mamas und fehlt dann bei der Altersvorsorge.😉

Selbst solche Mütter, die vorher noch fleißig Ihre ETF-Sparpläne bedient haben, geraten bisweilen in einen postnatalen Konsumrausch. Schließen Sie stattdessen lieber einen Fondssparplan für die Ausbildung Ihres Kindes ab. Bleiben Sie weiter beruflich am Ball. Alle paar Wochen mal ein Besuch bei den alten Kollegen und den Flurfunk abhorchen. Das kann für den Wiedereinsteig sehr viel bringen. Stattdessen gänzlich in die Mama-Glückseligkeit abzutauchen und gar kein eigenes Geld mehr verdienen: Das gehört leider immer noch bei Frauen in den 30ern zu den typischen Fehlern bei der Finanzplanung.

7. Zu später Beginn mit der Altersvorsorge

Finanzberaterin steht neben Vorsorgepyramide und zeigt auf Altersvorsorge.Kennen Sie die Initiative, 7 Jahre länger”? Da können Sie Ihre Lebenserwartung berechnen lassen. Das ist spannend. Probieren Sie es doch mal aus. Die meisten Menschen unterschätzen in jungen Jahren Ihre Lebenserwartung deutlich. Nehmen wir an, Sie sind 1987 geboren und jetzt 33 Jahre alt. Was schätzen Sie?

Ihre durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 90,1 Jahre. Hätten Sie das gedacht?😉

Genau deshalb ist es der größte Fehler, den Frauen in den 30ern bei der Finanzplanung machen können: Prokrastination oder Aufschieberitis bei der Altersvorsorge. Unterschätzen bei Ihrer Planung den  Zeitfaktors nicht. Die Altersvorsorge ,auf die lange Bank zu schieben, ist gefährlich.

Wer im Alter über eine ausreichende Absicherung verfügen will, kommt um eine private Vorsorge nicht mehr herum. Der Grund ist einfach:

Wir leben immer länger!

Im Jahr 1870 lag die Lebenserwartung noch bei rund 40 Jahren. Da mussten sich die Menschen über Rente keine Gedanken machen. 

Altersvorsorge ist ein Luxus-Problem. Das sollten wir nicht vergessen.

Erst durch den Anstieg der Lebenserwartung im Verlauf des 20. Jahrhunderts ist zum ersten Mal das entstanden, was Soziologen „sichere Lebenszeit“ nennen.

Wenn Sie je nach Ausbildungs- oder Studiendauer erst mit 30 Jahren anfangen haben und mit 65 in Rente gehen, bleiben Ihnen noch 25 bis 30 Leben übrig. Die müssen Sie irgendwie finanzieren. Die Lebenserwartung steigt immer noch weiter. Sie müssen später 30 Jahre Ruhestand mit 35 Jahren Arbeitszeit bezahlen. Nicht so einfach. Die gesetzliche Rentenversicherung kann das nicht mehr leisten. Deshalb brauchen Sie eine private Vorsorge.

Doch vorausschauendes Denken und Handeln fällt vielen Menschen schwer. Deshalb gibt in den USA bereits Modellversuche, bei denen mit Arbeitnehmern Rentensparpläne mit dynamischen Erhöhungen vereinbart werden. Bei jeder Gehaltserhöhung wird automatisch auch der Sparanteil erhöht, außer eine Arbeitnehmerin widerspricht. Das tun die wenigsten. Automatismen ohne eigenen Aufwand können hilfreich sein. 😉

Mein Tipp und Fazit:

Nutzen Sie Ihre 30er, um die richtigen Weichen zu stellen. Lassen Sie sich am besten in einer Vorsorgeberatung auf Honorarbasis eine Altersvorsorge- und Finanzplanung erstellen. Dann haben Sie die Zahlen schwarz auf weiß vor Augen. Das wirkt. Nur dann haben Sie auch Gefühl dafür, wie viel Vorsorge Sie wirklich brauchen.

Sicherlich ist es schwierig für 30 Jahre im Voraus zu planen. Doch es ist leichter, bei Bedarf eine Planung anzupassen, als erst gar keinen Plan zu haben. Eine solide Finanzplanung ist eine Investition für das ganze Leben. Dafür lohnt sich in jedem Fall – abgesehen von den Kosten – auch der Aufwand, die Unterlagen zusammen zu stellen.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“ Am besten, Sie beginnen J E T Z T. 😉

Hier finden Sie die Unterlagen und Angaben, die für Altersvorsorge und Finanzplanung benötigt werden.

 

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