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Inflation-Mädchen mit Eistüte und Preisentwicklung einer Kurgel Eis

Geldillusion: 17.965,17 € Verlust, jede Stunde 23 Cent ärmer – ohne es zu merken

3 Schritte mit denen Sie als Sparerin erfolgreich von der Geldillusion in den Vermögensmodus wechseln

Sowohl das gute alte Sparbuch als auch das Tagesgeldkonto haben sich zu echten Geldvernichtungsinstrumenten entwickelt. Selbst wenn noch keine Strafzinsen anfallen, wie einige Sparerinnen in den letzten Jahren bereits erleben durften, schrumpft zumindest die Kaufkraft dank der Inflation.

Sparen auch Sie noch auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto?

Damit stehen Sie nicht allein da. Gerade kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einer Sparerin, die inzwischen 100.000 € auf dem Tagesgeldkonto angesammelt hat. Sie war verzweifelt auf der Suche nach einer Geldanlage, die noch ein bisschen Zinsen einbringt und sie jederzeit an ihr Geld kommt.

Das Problem an dieser Art des Sparens ist jedoch, dass es Sie nicht reicher, sondern ärmer macht. Denn die Kaufkraft Ihres Geldes reduziert sich. Der Wert des Geldes schrumpft.

 

Geldillusion Teil I: Verzerrte Wahrnehmung des Geldwertes

Dieses Phänomen wird in der ökonomischen Geldtheorie als Geldillusion bezeichnet und ist weit verbreitet. Sie liegt vor, wenn Menschen bei ihren Finanzentscheidungen nur auf die Zahlen auf dem Konto achten und sich nicht am realen Wert des Geldes orientieren. Der US-Ökonom Irving Fisher prägte den Begriff Geldillusion 1928 in seinem gleichnamigen Buch „Money Illusion“. Populär machte die Geldillusion später sein britischer Kollege John Maynard Keynes.

Die Geldillusion war bereits Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen: So zeigt etwa eine Untersuchung von Shafir/Diamond/Tversky (1997), dass Menschen mit einer Gehaltserhöhung von fünf Prozent bei einer Inflation von vier Prozent zufriedener sind als mit einer Gehaltserhöhung von zwei Prozent in einem Umfeld mit null Prozent Inflation. Und das, obwohl die Gehaltserhöhung real betrachtet im zweiten Fall doppelt so hoch ist.

Anders ausgedrückt: Die Zahlen auf dem Konto ändern sich nicht, aber Sie bekommen beim Einkaufen langfristig deutlich weniger dafür. Durch die Inflation schrumpft der Wert des Geldes. Kurzfristig unbemerkt, langfristig jedoch mit großen Folgen. Für das menschliche Gehirn ist es viel einfacher, „nominell“ als „real“ zu denken. Kein Wunder, denn Inflation ist nicht sichtbar und bei langen Zeiträumen auch nicht mehr mit Kopfrechnen zu lösen.

Anders ausgedrückt: Die Zahlen auf dem Konto ändern sich nicht, aber Sie bekommen beim Einkaufen langfristig deutlich weniger dafür. Durch die Inflation schrumpft der Wert des Geldes. Kurzfristig unbemerkt, langfristig jedoch mit… Klick um zu Tweeten

Übrigens: Den Umstand der Geldillusion nützt auch der Staat im Rahmen der „kalten Progression“ bewusst oder unbewusst aus. Die inflationsbedingten Gehaltssteigerungen sorgen für eine automatische Erhöhung des Steueraufkommens. Quasi durch die Hintertür. Echte also nominelle Steuersätze würden die Bürgerinnen ganz anders wahrnehmen und wären sicherlich not amused.

Geldillusion: ein Rechenbeispiel:

Nehmen wir an, es geht Ihnen wie meiner Kundin Kati :

Kati hat 100.000 € auf dem Tagesgeldkonto angespart. Bis jetzt hat sie noch keine Zeit gehabt, sich mit ihren Sparzielen auseinander zu setzen. Sie ärgert sich ein bisschen, dass es keine Zinsen mehr gibt. Aber mit dem Risiko der Inflation hat sie sich noch nicht auseinandergesetzt. Im Rahmen der Finanzplanung erfährt Kati im  Beratungsgespräch dann, was die Inflation mit ihrem Geld macht.

Als Inflation wird der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus bei Waren und Dienstleistungen bezeichnet. Diese Teuerung ist gleichbedeutend mit einer Minderung der Kaufkraft des Geldes. Im vergangenen Jahr hatten wir wegen der Corona-Pandemie eine Ausnahmesituation, doch gerade jetzt ist die Inflation wieder sprunghaft angestiegen. In der jüngeren Vergangenheit lag sie – ja nach Zeitraum der Betrachtung – durchschnittlich bei 2 %. Bis in die 1980er Jahre war sie jedoch zeitweise deutlich höher.

In Katis Fall zeigt sich nun folgendes Bild:

Katis Kaufkraft Verlust 23Ct pro Stunde

Kati, die eine emsige Sparerin ist, verliert jede Stunde 23 Cent.

Nun sind ja 23 Cent vielleicht noch zu verschmerzen.

Doch nach 10 Jahren sieht die Rechnung schon ganz anders aus:

Nach 20 Jahren beträgt der Verlust dann bereits 32.702,87 €

Trotzdem sparen nach wie vor viele Deutsche überwiegend auf dem Tagesgeldkonto. Auch das Sparbuch ist noch recht weit verbreitet, wie ich zu meinem Erstaunen immer wieder erfahre.

Geldillusion Teil 2: Verzerrte Risikowahrnehmung

Katis Beispiel zeigt, wie verzerrt die Risikowahrnehmung häufig ist. Bei einer Anlage auf dem Tagesgeldkonto ist der Verlust je nach Höhe der Inflationsrate offensichtlich. Er wird jedoch gar nicht als Risiko wahrgenommen. Die Zahlen auf dem Konto verändern sich ja nicht.

Bei Aktien jedoch wird ein großes Risiko unterstellt, weil die Schwankungen der Aktienkurse vorübergehend zu Verlusten führen können. Allein die Vorstellung, dass plötzlich rote Zahlen auf dem Depotkonto stehen, kann Angst auslösen. Aus der Hirnforschung wissen wir sogar, dass bereits drohende Verluste, selbst wenn sie noch gar nicht eingetreten sind, im Schmerzzentrum des Gehirns bereits Alarm auslösen. Das führt dann zu Finanzentscheidungen unter Stress und Zeitdruck.  Leider sind solche Finanzentscheidungen selten erfolgreich.

Doch um besseren Renditen zu erzielen und zumindest keine Kaufkraft-Verluste zu machen, müssten Sie solche Risiken und Kursschwankungen aushalten können. Das kostet natürlich erst einmal Überwindung. Doch es ist machbar, wenn Sie einige wichtige Punkte dabei berücksichtigen.

Die 3 Schritte,wie Sie von der Geldillusion in den Vermögensmodus kommen

1. Sparziele definieren

Fast jede Frau hat mindestens ein Ziel: die Absicherung im Ruhestand. Dass die gesetzliche Rente ohne private Vorsorge nicht mehr reicht, hat sich inzwischen herumgesprochen. Deshalb sollten Sie sich mit diesem Ziel so früh wie möglich befassen. Der Grund: es gilt das Zeit- mal-Geld-Prinzip. Im Hinblick auf den Zeitfaktor, macht ein kleiner Unterschied von fünf Jahren später, einen riesengroßen Unterschied aus.

Falls Sie Kinder haben, sollte auch deren Ausbildung oder Studium ein Sparziel sein. Da sie für Ihre Kinder unterhaltspflichtig sind, kommen Sie aus der Nummer nicht heraus. Es sei denn, dass Ihr Einkommen so gering ist, dass Ihnen selbst nicht mehr genug zum Leben übrigbleibt. Dann hätten Anspruch auf BAföG. Allerdings ist diese Hürde inzwischen ausgesprochen hoch.

Der Vorteil dieser Zieldefinitionen besteht darin, dass Sie nun auch zielgerichtet für die Zielgrößen ansparen können. Ein weiterer Effekt: Sie werden sehr schnell erkennen, wie wichtig sowohl der Zeitfaktor als auch die Rendite für Ihre Zielerreichung sind.

2. Finanzplanung erstellen

Um Sparziele auch wirklich erreichen zu können, ist es unerlässlich einen guten Plan und die richtige Strategie zu haben. Jetzt zeigt sich ganz konkret, wie wichtig die Faktoren Zeit und Rendite sind. Je höher die Rendite ausfällt, desto schneller relativiert sich auch das Risiko durch Kursverluste. In den Vermögen & Zukunft Webinaren und Online Kursen bekommen Sie dazu ganz konkrete Musterberechnungen und Fallbeispiele, die diesen Effekt ganz einfach nachvollziehbar machen.

Im Rahmen einer individuellen Finanzplanung bekommen Sie natürlich Ihre persönlichen Berechnungen erstellt. Da bei der Altersvorsorge in einem hohen Maß auch steuerliche Aspekte einfließen, funktioniert eine Finanzplanung auch nur auf der Basis Ihrer Zahlen und Daten. Hier lohnt es sich in jedem Fall, nachzurechnen oder nachrechnen zu lassen.

3. Die eigene finanzielle Risiko-Komfortzone kennen und Geldillusion vermeiden

Um den emotionalen Stress in einer Corona- oder Aktienkrise aushalten zu können, ist es wichtig, dass Sie ihre eigene finanzielle Risikobereitschaft kennen. Die ist gar nicht so einfach einzuschätzen. Die Frage, wie viel Verlust Sie emotional aushalten können, ist ja erst einmal ganz theoretisch. Doch auch ganz theoretisch kann die Vorstellung schon Stress auslösen.

Manchmal liegt es aber auch gar nicht daran, dass Sie so eine geringe finanzielle Risikobereitschaft haben. Es kann auch daran liegen, dass Sie sich bei der ganzen Geldanlagethematik und speziell bei Aktien furchtbar unsicher fühlen.

Ihr Gehirn mag es nämlich gar nicht, wenn Sie sich plötzlich auf völlig neues Terrain begeben müssen. Das hat die Evolution wohl zu unserem Schutz so eingerichtet. Bei gravierenden Veränderungen kann uns das aber zum Verhängnis werden. Auch unsere Vorfahrinnen in der Steinzeit mussten notfalls zum Überleben aus der Komforthöhle flüchten. So ähnlich ist das jetzt auch in der Niedrigzins-Phase

Die Flucht-Falle vermeiden

Leider ist die finanzielle Komfortzone unsichtbar. Genauso wie die Geldillusion. Wenn Sie sich außerhalb Ihrer sicheren finanziellen Höhle bewegen, bekommen Sie das erst einmal gar nicht mit. Erst wenn die Gefahr unmittelbar vor Ihnen steht, wird sie auch bewusst. Für unerfahrene Anlegerinnen wird ein Kurseinbruch an den Börsen wie zu Beginn der Corona-Pandemie dann schnell zum gefühlten Säbelzahntiger. Natürliche Reaktion: Flucht. Genau das führt dann häufig zu Verlusten, die nur schwer wieder auszugleichen sind. Denn in aller Regel und aller Erfahrung nach werden so gut wie immer die besten Tage der Erholungsphase verpasst. Außerdem trauen sich viele gar nicht wieder einzusteigen.

Sicherheit durch Gewissheit: Dank Risikoprofiling auf der sicheren Seite sein

Deshalb ist es also wichtig herauszufinden, wie hoch Ihre Risikobereitschaft außerhalb der Komfortzonenhöhle nun wirklich ist. Das lässt sich nur mit einem speziell für diesen Zweck konstruierten Test herausfinden. Der Test enthält Fragen zu finanziellen Risiken aus allen möglichen Lebensbereichen und bietet damit die Möglichkeit, sich intensive mit dem Risiko zu befassen. Sogar dann, wenn noch gar keine Erfahrungen an den Kapitalmärkten getätigt wurden.

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