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Finanz-Prokrastination-3 fatale Konsequenzen der Aufschieberitis

Aufschieberitis: 3 fatale Konsequenzen der Finanz-Prokrastination

Finanz-Prokrastination, auch als Aufschieberitis bekannt, ist die Gegenspielerin der guten Vorsätze. Sie hat Nebenwirkungen und Konsequenzen. Für die eigenen Ziele und Wünsche, vor allem aber für die Altersvorsorge wirkt sie geradezu toxisch. Deshalb ist es wichtig, sich mit den Nebenwirkungen und Konsequenzen auseinander zu setzen und sich gut davor zu schützen. Welche Nebenwirkungen das sind und wie Sie sich schützen, das lesen in diesem Blog.

Diagnose: Finanz-Prokrastination

Bei meinen Recherchen zum Aufschieberitis-Blogartikel kam Erstaunliches zutage: Aufschieberitis heißt jetzt Prokrastination. Dieser Zungenbrecher hat inzwischen sogar Eingang in die Forschung und Medizin gefunden: Prokrastination (lateinisch procrastinare „vertagen“) bezeichnet eine Extremform des Aufschiebens und handelt sich um eine pathologische Störung. Wieder etwas dazu gelernt. 😉

Aber was ist eine Extremform?

Wann ist es eine Störung, sich nicht um die ungeliebten Finanzen zu kümmern?

Meiner Erfahrung nach ist Aufschieberitis bei Finanzthemen und gerade bei der Altersvorsorge eher der Normalfall.

Das Thema Finanzen ist offensichtlich nicht sehr beliebt.

Egal ob

  • Steuererklärung,
  • Renten-Check,
  • Ausgabenkontrolle,
  • Einrichtung des ETF-Depots,
  • Rebalancing (die notwendigen Umschichtungen im Depot)
  • Sparpläne für die Altersvorsorge
  • Testament und Vorsorgevollmachten
  • Absicherung der Familie …

… fast alles fiel oder fällt irgendwann einmal der Aufschieberitis zum Opfer.

Mal ehrlich, kennen wir das nicht (fast) alle?

Finanz-Prokrastination: Zahlen-Wirrwarr und gesenkter KopfBesonders bei komplexen und sehr langfristigen Themen und Aufgaben, wie beispielsweise der Altersvorsorge, ist die Prokrastination besonders ausgeprägt. Aber auch fast alle anderen Finanzthemen sind davon betroffen.

Aus meiner Sicht kein Grund, das Thema zu pathologisieren. Krank ist anders. Viel wichtiger wäre doch endlich mal zu akzeptieren, dass wir Menschen anders ticken als dieser Homo Oeconomicus. Dass der bloß eine Erfindung ist, wissen wir doch inzwischen alle. Klar, sind wir Menschen – auch wir Frauen – Nutzen-Maximiererinnen. Aber eben nicht auf lange Sicht. Das kurzfristige Glücksgefühl durch ein paar neue Schuhe triggert unser Belohnungssystem einfach stärker als die Altersvorsorge.

Das hat Konsequenzen. Genau die schauen wir uns jetzt mal an. Das ist wichtig. Also bleiben Sie bitte dran.

Nebenwirkungen der Finanz-Prokrastination und Aufschieberitis

Laut einer Studie des Sinus-Instituts im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“ haben acht von zehn Deutschen (82 %) wegen der Aufschieberitis schon einmal finanzielle, berufliche oder gesundheitliche Nachteile erlitten. 37 % der Befragten gaben sogar an, dass sie auf geplante Anschaffungen verzichten mussten, weil sie nicht rechtzeitig dafür gespart hatten.

Fast genauso viele Befragte (36 %) beklagten, sich nicht rechtzeitig um die Altersvorsorge gekümmert zu haben. Das belastet: 40 % aller Deutschen fühlen sich in Sachen Altersvorsorge gestresst.

Kein Wunder, es kostet Energie, die ungeliebten Themen immer wieder zu verdrängen. Die Angst vorm Alter in Armut nagt im Unterbewusstsein. Manche versuchen stattdessen, die Zukunft schön zu malen und schön zu reden. Wie sagte mein IT-Berater kürzlich: „Ach Frau Rendigs, wir sind doch so ein reiches Land. Die werden uns im Alter schon nicht verhungern lassen.“ Eine gute Freundin verwendete ähnliche Worte. Allerdings waren es bei ihr ihre beiden Kinder, die sie wohl nicht verhungern lassen werden. Hoffentlich.

Die Kehrseite der Finanz-Prokrastination

Ein Leben in Hoffnung ist ein Leben mit wenig Selbstbestimmtheit. Gerade das ist Frauen traditionell gut bekannt. Doch während die einen für mehr Selbstbestimmung kämpften, wissen die anderen heutzutage teils wenig damit anzufangen. Selbstbestimmung heißt auch Selbstverantwortung. Gerade damit tun wir uns manchmal schwer. Und ganz sicher nicht nur wir Frauen. 😉

Doch auch wenn die Eigenverantwortung oft höchst lästig ist, dürfen wir nicht vergessen, dass sie die kleine Schwester der Freiheit ist. Und Freiheit ist ein hohes Gut. Viele unserer weiblichen Vorfahren und viele unserer heutigen Mitfrauen und Schwestern weltweit würden viel dafür geben. Auch das dürfen wir uns gelegentlich mal wieder ins Bewusstsein rücken. 😉

Gründe für die Finanz-Prokrastination und Aufschieberitis

Die Weichen für ein gesundes und zufriedenes Leben im Ruhestand werden früh gestellt. Ein ungesunder Lebensstil hat später Folgen. Nicht nur bei der Gesundheit auch bei der der Altersvorsorge. Trotzdem steht die Aufschieberitis hoch im Kurs. Das menschliche Gehirn steht auf Belohnung und zwar möglichst schnell. Staubtrockene Themen wie Altersvorsorge oder Berufsunfähigkeitsversicherung stehen dabei nicht sehr hoch im Kurs. Da langweilt sich das Belohnungszentrum im Gehirn wohl eher zu Tode …

Ein neues Paar Schuhe dagegen kann wahre Wunder bewirken. 😉

Irgendein Grund und Anlass findet sich immer für ein paar Schuhe zur Belohnung. Allerdings hält das gute Gefühl nicht ewig an. Auch das haben die Hirnforscher inzwischen herausgefunden: Finanzielle Belohnungseffekte nutzen sich schnell ab. Dann schreit das Belohnungszentrum im Gehirn nach einer neuen Belohnung und dieses Mal bitte etwas mehr davon. Das nächste Paar Schuhe muss her. Oder vielleicht ein kleines Elektronik-Spielzeug. Mit manchen kann frau oder man sogar telefonieren. 😉

Unsicherheit und Überforderung: häufige Ursachen für Finanz-Prokrastination und Aufschieberitis

Wortwolke-Finanz-ProkrastinationDoch die Belohnungsgeschichte ist es beim Thema Finanzen nicht allein. Häufig kommt auch noch das Gefühl der Überforderungen dazu. Denn früher war alles einfacher: Damals als Bausparvertrag und Lebensversicherung noch funktionierten und sogar das Sparbuch scheinbar einträgliche Zinsen bescherte, konnte auch die unwissende Sparerin noch ihr Geld mehren. Zumindest die Zahlen auf dem Kontoauszug. Und das war ja wenigstens schon mal etwas.

Heutzutage muss sich die Sparerin durch einen Ozean an Möglichkeiten kämpfen: Fondssparpläne, ETFs, Riesterrente, Pensionskasse. Was lohnt sich noch? Was ist sicher? Wie sieht es mit Totalverlust aus?

Die Thematik ist komplex und wenig transparent. Eher zum Verzweifeln als zum Investieren. In solchen Phasen der Hoffnungslosigkeit wird sogar das Bügelbrett plötzlich zu einem attraktiven Spielgefährten. Kennen wir doch alle, oder? Nun vielleicht ist es bei Ihnen auch der Staubsauger. Alles, was schnell von der Hand geht, funktioniert bestens als Ablenkungsmanöver. 😉

Problematisch ist jedoch, dass Sie sich diese Finanz-Prokrastination nicht leisten können. Die Konsequenzen sehen heute anders aus als früher. Denn auch die Rahmenbedingungen haben sich drastisch zu Ihren Ungunsten verändert: Demografie, Langlebigkeit, Nullzinsphase, Finanzkrise, Scheidungs- und Unterhaltsrecht oder Pflege im Alter. Das alles holt Sie dann irgendwann ein. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich die Konsequenzen vor Augen führen, damit Sie die Weichen richtig stellen.

3 Fatale Konsequenzen der Finanz-Prokrastination:

1. Die Kosten der verlorenen Jahre

Nur bei längeren Zeiträumen sorgt der Zinseszinseffekt für exponentielles Wachstum. Auch wenn der sichere Zins als ausgestorben gilt: Dieses Prinzip wirkt ebenso bei Fondssparplänen. Allein fünf fehlende Jahre können gravierende Lücken hinterlassen.

Das zeigt ein Beispiel:

Verlorene Jahre: Was fünf Jahre später sparen ausmacht

Die fehlenden fünf Jahre machen eine Differenz von 37.084 Euro aus. Die entgangene Rendite (Verlust): 19.491 Euro

Bei zehn Jahren späterem Beginn beträgt die Differenz schon 62.769 €, entgangene Rendite (Verlust): 31.391 Euro

2. Das Rendite-Risiko-Dilemma

Je kürzer der Zeitraum bis zum Ruhestand, desto niedriger ist Ihre Risiko-Kapazität. Wenn sie erst mit Mitte 50 einen zusätzlichen Fondssparplan starten, bleibt Ihnen nicht mehr viel Zeit, um Verluste auszugleichen. Wenn Ihnen noch zwanzig Jahre bis zur Rente bleiben, können Sie einen deutlich höheren Risikoanteil verkraften. Auch das hat sehr gravierende Auswirkungen auf die Rendite und natürlich auch auf Ihre Rente.

3. Gender Retirement Gap: Altersarmut ist weiblich

Schon jetzt ist absehbar, dass die sozialen Systeme aufgrund der demografischen Veränderungen in ihrer bisherigen Form kaum noch haltbar sind. In Deutschland wurde die gesetzliche Rente deshalb bereits drastisch zurückgefahren. Ohne eigene Vorsorge werden vor allem viele Frauen in Zukunft von Altersarmut betroffen sind. Altersarmut ist weiblich. Das zeichnet sich jetzt schon deutlich ab und die große Welle der geburtenstarken Jahrgänge kommt erst noch.

Die Gender Retirement Gap ist eine natürliche Konsequenz der Gender Pay Gap: Wer weniger verdient, zahlt auch weniger in die Rentenkasse ein. Dazu kommt die derzeit – noch – höhere Lebenserwartung der Frauen gegenüber den Männern. Wer länger lebt, wird zudem auch noch mit größerer Wahrscheinlichkeit pflegebedürftig. Mit dem Alter haben wir Deutschen ohnehin ein Problem. In den südeuropäischen Ländern, wie beispielsweise in Italien wird noch viel stärker auf Gemeinschaft und Familientradition gesetzt. In Deutschland ist die Pflege ein individuelles und deshalb finanzielles Problem.

Alter und Pflege sind negativ besetzte Themen. Darüber denken wir nicht so gerne nach. Deshalb wird auch kaum vorgesorgt. Dabei ist es ähnlich wie mit dem Zitat von Marcel Reich-Ranicki: „„Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.“ Das gilt sicherlich für teure Senioren-Residenzen contra staatliches Pflegeheim ebenso. Da sich die wenigsten von uns die erste Variante später leisten können, ist es unerlässlich, sich frühzeitig Gedanken über Alternativen zu machen. Dazu gehören Wohn- und Lebensprojekte oder Pflege-WGs. Doch auch diese Möglichkeiten gibt es in aller Regel nicht geschenkt. Zumindest nicht, ohne sich zu kümmern, zu planen und rechtzeitig die Weichen zu stellen.

Resümee der Finanz-Prokrastination: Ein hoher Preis für ein bisschen Belohnung

Wie Sie aus den drei Konsequenzen unschwer ableiten können, hat die Finanz-Prokrastination langfristig einen hohen Preis. Schon heute ist Altersarmut für nicht wenige Menschen Realität. Das Thema Altersvorsorge ist gerade für Frauen ein echtes Schmerzthema.

Das Thema ist so leidvoll und schambehaftet, dass viele nicht einmal die Grundsicherung in Anspruch nehmen, obwohl sie ein Anrecht darauf hätten. Dabei waren es oft nicht mal die eigenen Fehler, die zu dieser Altersarmut geführt haben. Auch politisch muss sich einiges ändern. Auf den reichen Staat zu hoffen, halte ich für gewagt. Wenn wir uns anschauen, wie Politiker so ticken, vor allem die angeblich Sozialen …

Entweder wir werden wieder bis zum Lebensende arbeiten müssen, was viele Menschen ja sogar freiwillig tun und immer mehr zur Diskussion gestellt wird. Oder wir müssen vorsorgen.

Challenge statt Schmerzthema: Machen Sie 2020 zu Ihrem Finanz-Erfolgsjahr:

Finanz-Challenge 2020Starten Sie Ihre persönlich Vorsorge-Challenge mit einem Altersvorsorge-Check und einer Finanzplanung. Finanz-Prokrastination ist eine kräftezehrendes Thema. Es kostet Energie und Lebensfreude. Das Schmerz-Thema führt nämlich trotz Verdrängung im Hinterkopf ein Schattendasein. Das kann sogar krank machen. Gewissheit ist vielleicht ein kurzer Schock. Doch anschließend geht es im Finanz-Coaching immer darum, Lösungen zu finden.

Genau in diesem Punkt bin ich immer wieder von meinen Kundinnen völlig fasziniert, zu welchen Lösungen und Maßnahmen sie dann fähig sind. Wenn die Finanz-Problem-Trance erst einmal überwunden ist, wirkt das wie eine reparierte Handbremse: Lange Zeit blockiert und festgerostet und dann flutscht es plötzlich wieder.

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